In George Orwells Satire "1954" wird der totali-

täre Staat der Zukunft mit seinem "Wahrheitsministerium" geschildert, das die Aufgabe hat, die Vergangenheit zu frisieren und die Geschichte nach den jeweiligen Bedürfnissen des Diktators umzuschreiben. Wir brauchen nicht bis 1984 zu warten, denn dererlei gibt es heute schon. In der Sowjetunion beginnt jetzt die 2. Ausgabe der "Großen Sowjet-Enzyklopädie" in mehreren Bänden zu erscheinen, während die 1. Ausgabe, die seit 1926 erschienen war, wieder eingestampft wird. Zwanzig Bände der 1. Ausgabe befanden sich bereits in den Bibliotheken, als Stalin nach blutigen Kämpfen und Säuberungen, denen auch die Leiter des Redaktionskomitees der Großen Sowjet-Enzyklopädie, Bucharin und Pyatakow, zum Opfer fielen, die ganze und unbestrittene Macht erlangte. Deshalb schrieb der unlängst verstorbene Präsident der sowjetischen Akademie der Wissenschaften, Wawilow, kurz vor seinem Tod in der Prawda: "Die Enzyklopädie (1. Ausgabe) enthielt schwere theoretische und politische Irrtümer und spiegelte nicht die großen Veränderungen im Leben der Sowjetunion und im Ausland wider. Die 2. Ausgabe muß die beste Enzyklopädie der Welt werden."