Im Nachtprogramm des NWDR wurde kürzlich mitgeteilt, daß sich Rudolf Alexander Schröder, Ernst Robert Curtius und andere zu einer "Gesellschaft der Freunde Rudolf Borchardts" zusammengefunden haben, die den umfangreichen und wichtigen Nachlaß, dieses universell gebildeten, formstrengen, leidenschaftlich kritischen und sprachmächtigen Schriftstellers sichten und herausgeben soll. Äußerer Anlaß zur Gründung war ein Datum: Borchardt; der 1945 starb, wäre jetzt fünfundsiebzig Jahre alt geworden. Aber wesentlicher ist, daß sich eigentlich erst jetzt zeigt, welch eminente Kraft dem deutschen Geistesleben entzogen wurde, als man dem Manne das Publizieren verwehrte, der mit Bedacht einen seiner Essaybände "Handlungen" genannt hatte. Kaum ein deutscher Prosaiker dieser Jahrzehnte hat soviel explosive Spannungen zum Austrag gebracht.