Von Norbert Jacques

Gruselgeschichten pflegen mit dem Satz zu beginnen: "Die Witwe eines Kapitäns in Bombay ..." Nie beginnt eine: "Die Witwe eines Weinhändlers in Bischofszell ..." oder: "Die Witwe eines Bahninspektors in Quedlinburg ..." Und so spielt auch nie eine Mädchenhändlergeschichte in einem europäischen Milieu, sondern stets in irgendeiner der allgemeinen Kontrolle entzogenen Hafenstadt, mit Vorliebe Südamerikas.

Was für eine Einrichtung ist nun dieser Mädchenhandel und das moralsumpfige Lasterland; in dem er gedeiht? Dieser Mädchenhandel, an dem sich die europäische Phantasie mit so ausdauerndem Verlangen speist, den die Polizei, obgleich sie ihn mit Vorliebe als nicht existent erklärt, von einem eigenen Dezernat betreuen läßt? Ist der Mädchenhandel in Deutschland nur eine Möglichkeit, einem verdienten Beamten ein eigenes Dezernat zu geben, einen Posten, auf dem er ruhig schlafen kann?