Wohin sind die Zeiten entschwunden, da der Dichter die Vorstellung beschwor, der Geist sitze am sausenden Webstuhl der Zeit und webe der Gottheit lebendiges Kleid? Gibt es noch diese Vorstellung, daß die Menschheit, ein unsichtbares, von den Göttern geheimnisvoll entworfenes Muster nachwebe? Webt nicht heute jeder sein eigenes Muster und ein Kleid, das nur für ihn selbst bestimmt ist? Und wer webt eigentlich?

Ja, wer webt? Da sind die Regierungen, die nach einer bestimmten politischen Auffassung die Geschicke ihres Landes leiten; die Parlamente, die diese Politik bestätigen oder korrigieren; die Außenminister, die Konferenzen abhalten, sie Scheitern lassen oder Verträge schließen; und da sind die Völker (von Menschheit kann man gesind nicht sprechen), die eben diese Regierungen, Parlamente und Außenminister wählen. Oft hat ihre Beteiligung an dem Ganzen mit diesem jeweiligen Akt der Wahl sein Bewenden. Aber hin und wieder gibt es Fragen, die plötzlich jeden einzelnen ganz persönlich angehen, und dann ist der, der am Webstuhl sitzt, in einer schwierigen Lage. Dann kann er nämlich nicht mehr nach seinem eigenen möglicherweise sachlichen Konzept weiterweben, sondern er muß hinhorchen auf die Argumente und Emotionen der vielen einzelnen, denn mindestens in der westlichen Welt hat jeder das Recht mitzuwirken.