Lucile hockte vor dem Schrank. Sie hatte Staub, gewischt und mit ihren zarten Fingern achtlos die Holzverzierungen umspielt. Dabei war ihr linker Daumen gegen die Pausbacke eines Engels gestoßen. Und nun sann sie.

Ihre Gedanken glitten wie ein fremder Film vorüber. Sie wurde durch die Handlung mitgerissen, aber nicht erschüttert, denn es war ja das längst bekannte, eigene. Leben. Als Hauptperson stellte sich ein Mädchen namens Lucile Degraux vor, ein folgsames und feinfühliges Geschöpf, das aber auch kurzsichtig und schmachtig war, eine blasse Kreatur, die so lange von der Liebe geträumt hatte, bis sie daran reifte und die Klugheit der Reife sie für die Liebe untauglich machte.