Hindemiths "Mathis" in der Hamburger Staatsoper

Von Josef Marein

Das bedeutendste Opernwerk jenes Komponisten, der heute – obwohl in Amerika lebend – das deutsche Musikschaffen am gültigsten vertritt, hat in der Hamburger Staatsoper eine Aufführung erfahren, die man im Szenischen vielleicht nicht als authentisch, sicherlich aber als wegweisend betrachten kann. Man weiß, daß Hindemiths "Mathis, der Maler" – geschrieben zu Berlin in den ersten Jahren des "Dritten Reiches" – eine Bekenntnisoper ist: Der Künstler, der Einzelne gerät in die Wirren der Zeit, in den Strudel der Massen. Er ist erlöst erst dann, als er zu sich selbst zurückfindet. "Je umfassender und vollkommener der Künstler seine individuelle Mission erfüllt, um so besser dient er der Umweit, um so besser erfüllt er seine Funktion." So deutete Hindemith selbst das Thema seiner Oper, die den spätgotischen Maler Mathias Grünewald, seinen Dienst am Hofe des Kardinals Albrecht zu Mainz, seine Teilnahme am Bauernaufstand, seine Rückkehr, seine Arbeit am Isenheimer Altar und seinen Abschied vom Werk behandelt.