Noch im Beginn des Jahrhunderts wäre es einem anachronistisch vorgekommen, wenn man etwa in Hamburg in einem "Güldenen Roß" oder in London in einem "Wildschweinskopf" oder in Paris im "Rotkäppchen" abgestiegen wäre, Hotelnamen, die Chroniken und Reiseberichte in jenen Städten festgehalten haben. Man verlange ein Palace-Hotel, ein Exzelsior, ein Continental, und man hat gar diese Palace, Majestic und Grand Hotel in die Landschaft hinausgetragen, ans Meer, in die Alpen, in die Heil- und Kurorte.

Heute sind sie oft zu Kontorhäusern und rentableren Etablissements geworden oder schleppen an den schweren Ketten einer unheilbaren Finanzierung, und mancher Hotelier wäre froh, er besäße wieder ein "Goldenes Roß" oder einen "Wildschweinskopf". Denn im Bereich der Hotellerie ist der Hang entstanden, sich von der Monumentalität zu lösen. Man liebt es nicht mehr, anonymer Gast einer anonymen G.m.b.H. zu sein. In den westlichen Ländern fing man mit dem neuen Kammerstil an und ging auf den alten Namen zurück, man nennt sich nicht mehr Hotel, man heißt jetzt "Hostellerie".