Von unserem Korrespondenten

R. S. Bonn, im Juni

Wer bei Verhandlungen mit der Pistole spielt, macht es dem Partner schwer, in Zugeständnisse einzuwilligen. Diese psychologische Vorbelastung des in Aussicht genommenen Gesprächs zwischen dem Bundeskanzler und dem Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes ist das Thema einer Unterredung der Staatssekretäre Lenz und Westrick mit Vertretern des DGB gewesen. Es läßt sich nicht immer genau feststellen, ob der Sprecher eines so vielschichtigen Kollektivs, wie es der Deutsche Gewerkschaftsbund ist, aus eigenem Entschluß zu der Pistole gegriffen hat oder ob sie ihm in die Hand gezwungen wurde. Daß er aber sein Gesicht zu verlieren fürchtet, wenn er die Waffe, die er nun einmal in Händen hat, zu hastig wieder weglegt, kann man verstehen. Auf der anderen Seite aber darf sich eine Regierung nicht dem Anschein aussetzen, sie habe unter Nötigung Konzessionen gemacht.