Von Christian E. Lewalter

Bei uns Deutschen gilt angesichts einer ungewöhnlichen Erscheinung des geistigen Lebens so etwas wie eine unverbrüchliche Pflicht: entweder "dafür" oder "dagegen" zu sein. Kaum ein bedeutender Künstler oder Denker entgeht diesem verbissenen Kampf zwischen Verehrern und Geringschätzern, und mancher schützt die eigene Muße vor dem Getümmel, indem er sich mit einer Art von literarischer Leibwache umgibt. Deren unbeirrbares Hosianna (bestimmt, die "Kreuziget-ihn!"-Schreie der Gegner zu übertönen) erschwert es nicht nur dem Publikum, sondern auch der Kritik, sich unbefangen ein Urteil über den umstrittenen Mann zu bilden.