Der "Begriff" Essen, wie er sich im Laufe des 19. Jahrhunderts herausgebildet hat, beruht auf einer nahezu sprichwörtlich gewordenen Union von Kohle und Eisen. Geht man aber um Jahrhunderte zurück, in die frühen Zeiten dieses vor 1100 Jahren gegründeten hochadeligen Damenstifts nämlich, so wird man voll Überraschung auf ein ganz anderes, allerdings ebenfalls importiertes Metall stoßen: es ist schlechterdings überwältigend, wie intensiv und wieviel Gold diese frommen Prinzessinnen für ihre fürstliche, den Mächten des Jenseits anempfohlene Kongregation gesammelt haben. Oder soll man sagen, als eine Art magischer Schutzwand um sich versammelt haben? Denn, obwohl dieser Münsterschatz (um den es sich handelt) in Kriegslasten und Zeiten der Verarmung gewißlich diese oder jene Verluste erlitten haben wird: was den Betrachter plötzlich wie eine merkwürdige und unerwartete Erkenntnis anspringt, ist die Einsicht, daß er es da geradezu mit einem Kult des lauteren Goldes zu tun hat! Gewiß, dieser Kult war kirchlich gezügelt und religiös sublimiert. Es mag vielleicht als selbstverständlich und wohlbegründet angesehen werden, daß da eben reiche Fürstinnen, Damen der kaiserlichen Familie, das Liebste und Kostbarste mitbrachten oder anfertigen ließen, um den Glanz dieser ihrer Repräsentationskapelle zu "fundieren". Dennoch, die Tatsache, daß ausgerechnet hier, inmitten dieses Ensembles edelster früher Reliquienkreuze, auch heute noch dieses wahre Unikum der einzigen in Nordwesteuropa erhaltenen goldenen Madonna anzutreffen ist – diese Tatsache verführt zu spekulativen Ausdeutungen.