Wer die Eingangshalle des in seinem Äußeren recht nüchtern konventionellen Stedelijk-Museums zu Amsterdam betritt (es ist von außen die auch in Holland anzutreffende typische Gymnasialrenaissance), wird zunächst, amüsiert und dann verblüfft auf eine Art Totempfeiler stoßen: er ist, in den Nationalfarben blauweißrot anmutig und "lecker" gestrichen, der Richtungsweiser. Holztafeln, wie früher bei uns am Handweiser einer Chausseekreuzung, nennen die Titel der Sonderausstellungen, und der Winkel, mit dem sie etwa nach oben-rechts oder nach hintenlinks zeigen, bedeutet den jeweiligen kürzesten Weg. Liest man sie also von oben nach unten, so enthüllt ihre Summe das Monatsprogramm. Augenblicklich ist es wahrhaft überwältigend. Außer der großen van-Gogh-Sammlung aus Laren ist die in ihren Akzenten immens wesenhaft "komponierte" Sammlung Regnault zu sehen, die von den dichtesten frühen Chagalls (um nur ein paar Stationen zu nennen) über einen ganzen, Saal Massimo Campigli bis zu Mondriaen, Klee und, von unsern Landsleuten, zwei trefflich intensiven die Malerei Willi Baumeisters führt.