Von Walter Abendroth

Paris, Anfang Juni

Als vor zwei Jahren der "Kongreß für dieFreiheit der Kultur" in Berlin seine erste Tagung abhielt, hatte diese noch mehr den Charakter eines Aufrufs, eines ersten Signals zum Widerstand gegen die allgemeine Bedrohung unserer geistigen Güter am Orte der politischen Front. Die Pariser Wochen, die eine Elite des westlichen Geisteslebens in der französischen Hauptstadt versammelte^, boten im Vergleich dazu mehr das Bild einer eindrucksvollen Manifestation der Kräfte und Werte, um die es geht, des Reichtums, den es zu erhalten und zu verteidigen gilt. Und die ungeheuer lebhafte Teilnahme nicht nur der europäischen, amerikanischen und asiatischen Gäste, sondern auch aller Kreise der Bevölkerung war eine ununterbrochene Kette von Beweisen dafür, daß es sich dabei nicht um verlorene Traditionen, zerbröckelnde Besitztümer oder fragwürdige Spekulationen handelte, sondern um Wirklichkeiten, für die einzustehen sich immer noch lohnt und noch lange lohnen wird. Mit diesem Gefühl, das man vielleicht nicht einmal zu erwarten gewagt hatte, schied man von den Veranstaltungen des Kongresses, den Vorträgen, Debatten, Diskussionen, Ausstellungen, Konzerten und Theateraufführungen.