Bitte eintreten, ohne anzuklopfen! Nur frisch über die Schwelle gestolpert und das Problem beim Kragen gepackt, ehe es ihm gelingt, sich unsichtbar zu machen und durch die geschlossenen Fenster zu entweichen. Anders als durch Überraschung ist der Frage nicht beizukommen, so gebrechlich und scheu ist sie. Es soll nicht gerade von der Liebe die Rede sein, aber doch von dem Zustand, in den wir geraten, wenn wir sie weder zu empfangen noch zu hegen vermögen. Viel Hohn habe ich schon mit der Feststellung geerntet, daß aus der deutschen Literatur das Thema der Liebe verschwunden sei. Einige Leute, die ich nicht gemeint hatte, weil sie gar nicht zur Literatur, sondern nur zu Vereinen gehören, haben geantwortet, daß die Leute heutzutage etwas anderes im Kopf hätten. Etwas anderes schon – immer vorausgesetzt, daß sie überhaupt etwas darin haben –, aber Wichtigeres? Das ist denn doch die Frage. Das Nächstliegende ist durchaus nicht das Bedeutsamste. Man kann die Menschen nicht zu einer Haltung ermutigen, deren sie nicht fähig sind, und der Zustand, den ich zu beklagen die Absicht habe, läßt sich auch durch die Drucklegung von Liebesgeschichten nicht ohne weiteres beheben. Beim Symptom anfangen, um die Krankheit zu heilen, wäre der reine Selbstbetrug, und so mag denn unsere Literatur in Gottes Namen weiter auf den Eros mit jener Herablassung blicken, wie nur echte Unfähigkeit sie aufzubringen vermag.