Politisch gefährlich erscheint die neo-liberalistische Gedankenführung deshalb, weil sie völlig einseitig jede unternehmerische Marktverständigung als eine gegen das Interesse des Konsumenten gerichtete Verschwörung hinstellt; politisch gefährlich deshalb, weil dieses Bild Instinkte anspricht, die die allein angemessene sachliche Atmosphäre mindestens trüben. Seitdem es gelungen ist, der öffentlichen Meinung den extremen Anti-Kartell-Gedanken als wichtigstes Bollwerk zugunsten der allein schutzwürdigen Konsumentenschaft gegen kapitalistisches Ausbeutungsstreben zu suggerieren, ist zu befürchten, daß mancher Abgeordnete, dem es an Sachkunde oder an Charakterstärke fehlt, davor zurückschrecken wird, als "sozialer Unhold" gebrandmarkt zu werden. Kaum einer von ihnen wird sich die Mühe machen, den vielen kleinen und mittleren Unternehmern "aufs Maul zu schauen" und sich von ihnen belehren zu lassen, wie oft solide und leistungsfähige Betriebe an den Rand des Zusammenbruchs gebracht worden sind – keineswegs immer durch die unerbittliche Logik des Marktgeschehens, wie sie sich in den Lehrbüchern darstellt, sondern durch Panikstimmungen bei der Abnehmerschaft, von denen kumulative depressive Wirkung auf an sich intakte Wirtschaftszweige auszugehen pflegt. Der sittliche Mut, mit dem gelegentlich die Gesundheit einer Wirtschaft an der Zahl der Konkurse gemessen wird, darf als gesunder Realismus auch dann begrüßt werden, wenn sein Träger auf sicherem Lehrstuhl nur den statistischen Niederschlag solcher Zusammenbrüche erlebt. Aber auch die den Forscher zierende Härte gegen seine Umwelt macht seine These allein noch nicht objektiv richtig.