Eine Hamburger "Kundgebung", veranstaltet vom Verband Deutscher Eisenwarenhändler (VDE), brachte leider nur sehr wenig, was speziell die Branche, nämlich Eisenwaren und Hausrat, angeht. Davon war eigentlich nur in einem Satz die Rede: "Wir werden auch im Interesse unserer Lieferanten unsere Auftragsdispositionen in den kommenden Zeiten ruhig nach gewohnten Grundsätzen unter Berücksichtigung der allgemein-wirtschaftlichen Lage vornehmen können" (Präsident Gahrns). Im übrigen Verlauf wetterte man gegen Kartellverbote und plädierte für eine Mittelstandspolitik, die nach Dr. Roloff (natürlich immer im Rahmen einer sozialen Marktwirtschaft) folgendermaßen aussehen soll: "Wenn wir heute vom Mittelstand sprechen, so können wir damit im Gegensatz zu vergangenen Zeiten, nicht nur den in Geruhsamkeit als Kaufmann, Handwerker oder Beamten lebenden Staatsbürger meinen." (Dr. Roloff ist also der Ansicht, zum Kaufmann gehöre die Geruhsamkeit.) Er meinte weiter: "Der Kreis der Mittelständler im deutschen Staatsgefüge hat, durch die Geschehnisse des Krieges verursacht, eine gewaltige Erweiterung erfahren, die nahezu alle Schichten der deutschen Staatsbürgerschaft umfaßt." Hieraus müßte logisch folgern, daß, da Herr Roloff ja über Mittelstandspolitik spricht, eine Politik für alle gemeint ist. Doch weit gefehlt; denn etwas später sagte er: "Auch im glückhaften Zeitalter der sozialen Marktwirtschaft haben zu seinem Beginn unsere Kaufleute keine überspannten Hoffnungen für die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Jahre in Rechnung gestellt." Unter "glückhaft" muß danach die Zeit verstanden werden, in der man gut verdiente, obwohl die Branche unter "total übersetztem Wettbewerb", so die Ansicht des Verbandspräsidenten, leidet. Doch es kommt noch besser. Wieder Dr. Roloff: "Und damit komme ich zu dem für unseren mittelständischen Fachhandel in unserer sozialen Marktwirtschaft bedeutsamsten Problem, der Frage einer gesunden und volkswirtschaftlich vertretbaren Marktordnung in Industrie und Handel. Hier treten die derzeitigen Widersprüche der Wirtschaftspolitik unserer Regierung vielleicht am deutlichsten in Erscheinung. Schöpfer und Vertreter der sozialen Marktwirtschaft verneinen grundsätzlich jede Marktordnung. Indem sie das Spiel der freien Kräfte vertreten, das in der letzten Konsequenz im Wirtschaftsleben den hemmungslosen Kampf aller gegen alle bedeuten kann, setzen sie sich also für das Gegenteil von Ordnung, vielleicht für Unordnung ein." – Hier ist wohl die Frage erlaubt, was Herr Dr. Roloff unter sozialer Marktwirtschaft, vorsichtiger unter Marktwirtschaft überhaupt, versteht. Ferner wäre die Behauptung erst noch zu beweisen, daß Schöpfer und Vertreter der sozialen Marktwirtschaft jede Marktordnung verneinen.