Von Harald Laeuen

Ein so farbenprächtiges Bild hatte das von Uniformen blitzende Nachkriegsmoskau lange nicht gesehen: Zu den weiten schwarzen Priestergewändern kontrastierten wirkungsvoll die hohen weißen Bischofsmützen und die diamantenschimmernden Kreuze, die sich auf mancher Brust mit Hammer- und Sichelmedaillen vertragen mußten. Darunter mischten sich die reichverzierten seidenen Gewänder und hellen Turbane der Moslems. Weiße Halskrausen und Beffchen verrieten die evangelischen Geistlichen. Im bauschigen Gewand aus goldfarbener und schokoladenbrauner Wolle mit orientalischen Schnabelschuhen an den Füßen erregte ein Lama-Priester die Aufmerksamkeit der Fotografen. Das war das äußere Bild einer Kirchenkonferenz, zu der das Moskauer orthodoxe Patriarchat nicht weniger als 27 Bekenntnisse der Sowjetunion aufgerufen hatte.