Von Helene Rahms

Das hohe weiße Gitter trennt die Unordnung ab: Schwatzende Frauen, Zeitungshändler, Zigarettenbuden, den alten Mann, der Brezel verkauft, und die Kinder, die im Schwarm um ihn her sind; Durch die engen Pforten zwischen den Wächtern, zwischen den dunklen Uniformen her, preßt sich die Menge und rinnt in langen Strähnen über den Fabrikhof. Der Fabrikhof ist ein weiter, steinerner Platz, voll panischer Leere. Aber die Schächte der Werkstraßen münden auf ihn. Sie saugen mit Dunkelheit und Gedröhn, alle streben dorthin, in die Laufrinnen, zwischen die dunkelroten Blocks. Der Platz mit dem gleißenden Pflaster muß jeden Morgen. bezwungen werden. Er hält Versuchungen bereit – die Sonne, den Himmel und ein großes glühendes Beet. Das Beet ist in einen Betonrand eingelassen, Samtrasen und Blumensaum, Intarsie aus weichem Wuchs. Kein Grashalm kann überwuchern in den Weg der Arbeiter und Angestellten. Feierlich und fremd stehen die Blumen. Es ist, als ob etwas von ihrer Unberührbarkeit auf den Mann überginge, der die Mähmaschine über den Rasen rollt. Kein Gruß, kein Scherzwort fliegt ihm zu. Er schafft einsam, wie ein Diener, dessen Herrn niemand kennt.