Lesezeichen
© ZEIT ONLINE

Ausgabe Nr. 20/1952

DIE ZEIT

Der Fall Ernst

Das Appellationsgericht in Nancy hat dieser Tage ein am 19. Dezember vergangenen Jahres gefälltes Urteil bestätigt, wonach Dr.

Das alte Horn

In Oldenburg erscheint seit kurzem eine Jugendzeitschrift "Die Fanfare". Sie zählt zu ihren geistigen Vätern Otto Ernst Remer, den blutarmen General mit dem Ehrenkomplex, ferner Herms Niel, den alten Schwerenöter der NS-Marschmusik, und dann den Großmut von Jerusalem.

Was uns der Fechteler-Skandal angeht

Ob nun der Geheimbericht des Oberbefehlshabers der amerikanischen Marine, Admiral Fechteier, den die gewichtigste französische Zeitung, Le Monde, veröffentlicht hat, echt ist oder nicht –: das Echo, das diese Veröffentlichung in der Welt gefunden hat, beweist zunächst einmal, daß der Bericht sehr ernst genommen wird.

Wie ist das wohl zu deuten?

Sinn ihrer selbst: "...immer nur diese Interpunktionszeichen und nichts dahinter ... Das Ganze einschließlich Geist und Stil und Sitte – was ist denn das?" Diesmal scheint der Große Vater nicht mehr unbeteiligt oder gar schläfrig; er wird immer ärgerlicher – bis er auf dem Höhepunkt des Dialogs schreiend ausbricht: "Was soll denn sein? Im Dunkel leben, im Dunkel tun, was wir können – das soll sein.

Partei-oder Autoritätsstaat

Als Theodor Eschenburg, seines Zeichens ein hoher Ministerialbeamter in der Regierung von Württemberg-Hohenzollern, vor bald zwei Jahren auf einer Versammlung des Ulrich-Steiner-Kreises in Bad Cannstatt den Ausspruch tat, niemals in der deutschen Geschichte sei die Qualität von Staatsdienern und Parlamentariern geringer gewesen als heute, gab es ein großes Geschrei.

Kein neuer Stern ist aufgegangen

Bei den V. internationalen Filmfestspielen in Cannes wurde der Große Preis des Festivals zu gleichen Teilen an den italienischen Film "Zwei Groschen Hoffnung" (Regie Renato Castellani) und den marokkanischen Streifen "Othello" (Regie und Hauptrolle Orson Welles) verteilt.

Die vorgefühlten Katastrophen

Es ist sehr still geworden um den Dichter August Strindberg in den letzten zwanzig Jahren, und diese Stille ist mehr als ein bloßer natürlicher Rückschlag nach der mächtigen Konjunkturwelle, die den großen Schweden lange Zeit – und nicht am wenigsten in Deutschland – zu einer ausgesprochenen Modeerscheinung erhoben (oder erniedrigt) hatte.

Wagner auf dem Podium

Als ich noch jung und musikalisch unschuldig war, lieh mir mein Musiklehrer (Mitglied des Berliner Philharmonischen Orchesters) des öfteren seine Familien-Dauerkarte für die Philharmonie.

Maler sahen die Welt der Technik

Die Kunstausstellung "Eisen und Stahl", veranstaltet von der Eisen- und Stahlindustrie gemeinsam mit der Stadt Düsseldorf, enthält 545 Gemälde und Plastiken der Gegenwart, 330 historische Beispiele von Kunstwerken, die aus Eisen und Stahl verfertigt sind oder die Produktion von Eisen und Stahl zum Thema haben.

Torschlußpanik in Brasilien

In jüngster Zeit hört man aus allen Teilen Brasiliens von neuen Liquidationsmaßnahmen, gegen das deutsche Eigentum, obgleich namhafte Persönlichkeiten in aller Öffentlichkeit die Maßnahmen ihrer Regierung gegen das deutsche Privateigentum als rechtswidrig bezeichneten und auf eine Gefährdung der deutsch-brasilianischen Wirtschaftsbeziehungen als notwendige Folge dieses Vorgehens hingewiesen haben.

Warenzeichen in fremder Hand

Die Markenartikel können ihre volkswirtschaftlich wichtige preisstabilisierende und qualitätsgarantierende Funktionen nur erfüllen, wenn ihr rechtlicher Schutz gegen unbefugten Gebrauch, gegen Nachahmungen und verwechslungsfähige Bezeichnungen gewährleistet ist.

Dreifach belastet

Wer wissen will, wie das Ausland die Möglichkeiten eines Lastenausgleichs bei uns grundsätzlich beurteilt, sollte nicht zu dem (überholten) Sonne-Bericht greifen, sondern zu dem zeitlich näherliegenden und auch insoweit realistischeren Musgrave-Hansen-Report.

Ausfuhr-Erfolge

Der Fachverband Werkzeugindustrie kann über sehr erfreuliche Exporterfolge seiner Mitgliedsfirmen berichten: hatte die Ausfuhr 1950 einen Wert von 142 Mill.

Neue Produktion

Ihre Buna-Produktion verminderten die Chemische Werke Hüls von 500 auf 300 t monatlich, da durch den Preissturz für Naturkautschuk das kg Buna gegenwärtig 4,60 DM kostet gegenüber 3 DM für Naturkautschuk.

Mit dem Verbraucher reden...

Der Bundeswirtschaftsminister ist populär. Die Karikaturen von dem dicken Mann mit Zigarre (aber auch mit Optimismus und Erfolgen) beweisen es, ebenso die Stammtischgespräche der Männer und die Kaffeekränzchen der Frauen – hier, sobald das Gespräch sich um das Wirtschaftsgeld dreht.

Tarifdiskussion in Triest

Auf der Tagung des Seehafenzweckverbandes in Triest wurde von der Verwaltung der Triester Eisenbahnen ein bemerkenswerter Vorschlag unterbreitet: Italien, Jugoslawien, Triest, Westdeutschland, Belgien und Holland mögen auf ihre Tarifhoheit bei Durchfuhren österreichischer Export- oder Importware zu den südlichen und nördlichen Seehäfen verzichten und die Bahnfrachten sollen ab österreichischer Station bis Hafen nach den neuen österreichischen Gütertarifen befördert werden.

Chancen auf den Märkten Belgiens

Während in Westdeutschland das Gespräch über die sich als immer notwendiger abzeichnende Koordinierung der Mustermessen noch zu keinem endgültigen Ergebnis geführt hat, ist das kleine, aber äußerst tatkräftige Belgien über diese Frage längst zur Tagesordnung übergegangen: die Brüsseler Messe und die Messe Lüttich – dort Verbrauchsgüter, hier technischer Bedarf – findet Jahr für Jahr zur gleichen Zeit statt und geben in- und ausländischen Besuchern ohne Schwierigkeiten die Möglichkeit, ein umfassendes internationales Warenangebot zur Kenntnis zu nehmen.

Die Tarif-Panne

Nach dem Wortlaut des § 12 (Abs. 1, Ziff. 8) im Bundesbaugesetz hat der Verwaltungsrat der DB über die "für die Finanzlage der Deutschen Bundesbahn wesentlichen Eisenbahn- und sonstigen Verkehrstarife" zu beschließen.

Hans Domizlaff 60 Jahre

Ein in Mann "in den besten Jahren", von kräftiger, holsteinischer Statur, dessen Gesicht die Züge des Humors, der Güte und der Nachdenklichkeit tragen, äußerlich kein Gelehrtentyp, wie man es vielleicht von einem Mann erwartet, der ein Denker, Philosoph und Forscher ist.

Preisausschreiben für "unter Tage"

Noch läuft im Ausstellungsgelände der Landeshauptstadt Düsseldorf die prachtvolle Kunstausstellung "Eisen und Stahl", noch stehen weite Kreise unter dem starken Eindruck einer schon bald 400 000 DM betragenden finanziellen Beteiligung der Industrie zugunsten der lebenden Künstler, da verkündet der Vorsitzende der Wirtschaftsvereinigung Eisen- und Stahlindustrie, Dir.

Tramp-Raten leicht erholt

Die internationale Trampschiffahrt hat nach einem scharfen Rückgang der Frachtraten in der ersten Hälfte 1950 und einer nach Ausbruch des Koreakrieges einsetzenden Besserung der Geschäftslage ab Oktober 1950 eine Hochkonjunktur erster Ordnung erlebt.

Lappländer mit Zubehör

In Hannover wird, wie vorher in Berlin, eine "Gruppe von Lappländern mit Zubehör" (so lautete eine Ankündigung) gezeigt. Auch erblickte man schon ein Photo, auf dem zu sehen war, wie Lappen – sonst längst ein reichlich zivilisiertes Volk – über den Anblick eines – Autos staunten.

Die Analyse der Madame Prélot

Der Wunsch nach einer entscheidenden Reform des Ehe- und Familienrechts zusammen mit der deutschen Gründlichkeit macht die Interpretation des Begriffes der Gleichberechtigung von Mann und Frau zu einer delikaten Affäre", schreibt die Französin Anne-Elizabeth Prélot in der Pariser Zeitung Le Monde und fährt dann fort: "Unsere deutschen Nachbarn werden, wie man weiß, von ihrem Temperament angereizt, jede Theorie bis zu ihrer äußersten Konsequenz zu treiben.

Achtung! Minifon hört mit!

Vor zwei Jahren bestaunten wir ein amerikanisches Diktafon, das so groß war wie ein mittlerer Radioapparat und völlig geräuschlos Diktate und – Gespräche aufnahm, die es dann in jeder gewünschten Lautstärke wiedergab.

Der Herr Professor legt die Reifeprüfung ab

Die Reifeprüfung ist in ganz Skandinavien eine Angelegenheit, die die Öffentlichkeit interessiert. Sobald die schriftlichen Prüfungen Mitte April ihren Anfang nehmen, veröffentlicht jede Zeitung die Aufgaben auf der ersten Seite, es kommen eifrige Berichte über den Gang der Prüfungen und die zahlreichen Zeitschriften ziehen Fachleute, Schriftsteller, Pädagogen, Psychologen herbei, um die Aufgaben zu diskutieren oder aus verschiedenen Gesichtspunkten zu beleuchten.

+ Weitere Artikel anzeigen