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Ausgabe Nr. 18/1952

DIE ZEIT

Die Industrie als Kunstmäzen

Kunst kann ohne Mäzenatentum nicht gedeihen. Der Künstler muß innerhalb der menschlichen Gesellschaft Platz und Rang haben. Dazu aber muß es Menschen geben, die ihn brauchen, für sich selbst oder für Institutionen, denen sie vorstehen oder denen sie angehören.

ZEITSPIEGEL

Die politische Vereinsamung, die man in Belgrad infolge des Konflikts mit Italien über Triest und infolge der kühlen Haltung der USA empfindet, scheint die Tito-Regierung zu einer versöhnlicheren Politik gegenüber Griechenland zu bewegen.

Der Staat "schießt zu"

Werden wir in diesem Jahr wieder so viele Wohnungen bauen können wie 1951 oder 1950? Nun: Baustahl ist zwar noch knapp, aber sonst besteht kein "Engpaß" mehr für Baumaterial, und die Ziegeleien klagen auch nicht mehr über Kohlenmangel.

Ein Frankfurter Anwalt

Der Ausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses, der den Massenmord von Katyn untersucht, hat den ehemaligen stellvertretenden amerikanischen Ankläger bei den Nürnberger Prozessen, Robert Kempner, vernommen.

Wenn Chikago Atlantikhafen wird . . .

Präsident Truman hat vor kurzem in zwei dem Kongreß zugeleiteten Botschaften darauf hingewiesen, daß es dringend notwendig sei, die seit dem ersten Weltkrieg schwebenden und im Jahre 1941 in einem Abkommen zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten paraphierten Projekte über den gemeinsamen Ausbau des Sankt-Lorenz-Seeschiffahrtsweges von Montreal.

Neuer Joseph Haas

Enge künstlerische Bande verknüpfen seit langem Joseph Haas und die Stadt Kassel. Eine Kasseler Chorvereinigung erteilte vor mehr als zwanzig Jahren dem Künstler den Auftrag zur Komposition des Oratoriums "Die heilige Elisabeth", am Kasseler Staatstheater fand unter Robert Hegers Leitung die Uraufführung seiner ersten Oper "Tobias Wunderlich" statt (1937), und von Kassel ging auch die Anregung aus zur Gründung einer "Joseph-Haas-Gesellschaft" (1949).

Notizen

Vom 19. bis 21. Mai findet bei Karl & Faber in München eine Auktion statt von Handschriften, Büchern, Autographen, Graphik, Zeichnungen und Aquarellen, Der Katalog verzeichnet unter vielem anderen: In guten Exemplaren die Folgen der Apokalypse und des Marienlebens von Dürer, bedeutende Autographen (Mozart, Goethe, C.

Medikamente sind nicht alles

Das wichtigste Ereignis des 58. Deutschen Internistenkongresses, der vom 21. bis 24. April in Wiesbaden stattfand, war wohl die Bekanntgabe der ersten Erfahrungen mit dem neuen Tuberkulosemittel Isonikotinsäurehydrazon.

Ein Aufstand in Europa

Wie der deutsche Expressionismus entstand, der in seinen Nachwirkungen die heutige deutsche Malerei immer – noch stark beeinflußt, läßt sich sehr schön an dem Beispiel des Malers Schmidt-Rottluff verfolgen.

Demonstration unter Blüten

Von Giraudoux wird berichtet, er habe es besonders geliebt, nachts in einem Hotel in Blankenese zu schlafen und dann von den Sirenen der Dampfer geweckt zu werden, die drüben, an der anderen Seite der Elbe, am "Alten Land" vorbeifuhren.

Die Geburt aus dem Tode

Curzio Malaparte ist heute der am meisten umstrittene Schriftsteller Europas. Er hat nach Ansicht seiner Kritiker in "Kaputt" ein böses und durch anekdotensüchtige Übertreibung unwahres Buch gegen die Deutschen, in der "Haut" ein Buch gegen seine italienischen Landsleute, gegen die Amerikaner, ja, auch gegen die Europäer allgemein geschrieben.

Kuriositäten

Felix erbte ein Gut, auf dem nur der Knöterich gedieh. Zwölf rühmlichst bekannte Agronomen besahen die Pracht und gaben vortreffliche Ratschläge.

Stahlwerke Kairo

Nach fast zwei Jahre dauernden Vorverhandlungen hat die ägyptische Regierung sich nunmehr dahin entschieden, die Planung für die Errichtung eines großen Stahlwerkes (Kapazität, zunächst 115 000 t Walzprodukte, erweiterungsfähig auf 160 000 t Rohstahl) nebst zugehörigen Anlagen und Transporteinrichtungen einer deutschen Gruppe zu übertragen, die auch den Bau der Gesamtanlage durchführen soll.

Baumpolitik

Als die OEEC in Paris vor einiger Zeit beschloß, in den Empfangsländern der Marshall-Plan-Hilfe einen "Tag des Baumes" einzuführen, hatte sie sicherlich kein schlechtes Gewissen.

"Bejahung des Wettbewerbs"

Gewissenhafte Statistiker der Deutschen Messe- und Ausstellungs-A.G. Hannover haben den Weg, den die Besucher der diesjährigen Technischen Messe zurücklegen müssen, um sämtliche Stände zu besuchen, mit 24,5 km ausgerechnet.

Flughafen ohne Bonner Anschluß

Wenn auf dem am vergangenen Wochenende in Betrieb genommenen Verkehrsflughafen Hannover-Langenhagen außer dem ersten Flugzeug, dem Berlins Oberbürgermeister Reuter entstieg, ein anderes den erwarteten Bundesverkehrsminister gebracht hätte, wäre dies Kapitel gewiß mit dem versöhnenden "Ende gut – alles gut" überschrieben worden.

Flauer Wollmarkt

Die April-Wollbörse in Paderborn brachte ein leichtes Absinken der ohnehin niedrigen Preise. Von den 4000 Zentnern des Angebots – zum großen Teil handelt es sich um Überstände von früheren Versteigerungen wurden annähernd 70 v.

Die Sowjet-Hose

Ein Moskauer Arbeiter, der an einem Wintermorgen verschlafen hat, fürchtet, von der Direktion seiner Fabrik mit einer Lohnkürzung bestraft zu werden.

Der unerwünschte Hut

Eine Amerikanerin geht bei einer Putzmacherin vorbei und sieht im Schaufenster einen Hut. Sie tritt ein: "Würden Sie den grünen Hut mit den Federn und Kirschen für mich aus dem Schaufenster nehmen", fragt sie.

Lob des Bieres

Wenn man die einzelnen Getränke, die eine Beschwingung des Herzens in die Welt bringen, mit Musikinstrumenten vergleicht, so wäre der Wein vielleicht die Gitarre, mit der jemand einer Dame ein Ständchen bringt, oder die Flöte, die der große Pan zuweilen bläst, wenn die Sonne sinkt.

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