Von Wolfgang Menge

Der städtische Mitteleuropäer befindet sich fast immer im Vorstadium der Neurose. Dieser Satz war das Fazit einer vorzüglichen Schrift von L. Paneth. Sie wurde vor rund 30 Jahren, veröffentlicht, und wenn wir uns überlegen, wie sich die mitteleuropäischen Städte seither entwickelt haben, dürften wir Großstädter nunmehr von einer Neurose wohl kaum noch weit entfernt sein. Inzwischen hat sich nichts zum Vorteil geändert. Nehmen wir nur einen Faktor, eine Angelegenheit, die unsere Nerven strapaziert, den Lärm. Das hört sich eigentlich recht gewöhnlich an, einfach: Der Lärm. Wir sollten sagen, die Hölle des Lärms. Ja, wir sollten es nicht nur sagen, sondern jedem einzelnen ins Ohr schreien. Sonst würde er es nämlich gar nicht wahrnehmen. Wir Großstädter hören, wir empfinden den Lärm unserer Stadt nicht mehr. Lärm macht taub.