Endilich sehen wir nun auch in Deutschland das Werk Marino Marinis, dieses italienischen Künstlers, dessen Name heute in der ersten Reihe der internationalen Bildhauerei steht. Die Kestner-Gesellschaft in Hannover konnte am 25. November eine umfassende Ausstellung neuer Arbeiten Marinis eröffnen: 21 zum Teil fast lebensgroße Skulpturen und 30 Zeichnungen.

Es sind Reiter und weibliche Akte. Aber die Angabe dieses Thematischen sagt gar nichts über die dichterische Reichweite, die Marini seinen Figuren gab. Die Reiter, das sind seltsame Sendboten, die Botschaft bringen aus einer archaischen Welt von Leid und Kraft. Marini hat sie gesehen, diese Reiter. Es waren die Bauern, die im Schrechensjahr 1944 aus der Höllenzone der italienischen Schlachtfelder nach Norden ritten mit keiner anderen Hoffnung mehr als der noch im Dasein zu sein. Und diese schweren nackten Frauen, das sind Feldgottheiten, Kultbilder für Pomona, Fruchtbarkeitsgöttinnen, die mit den Augen, des Apolls von Veji fremd zu uns herblicken.