Arno Schmidt: "Brand’s Halde". Zwei Erzählungen. (Rowohlt-Verlag, Hamburg! 260 S., Leinen 7,80 DM.)

Freiheit und Frechheit: ein Buchstabe Unterschied." Dergleichen zu konstatieren, hat bei Arno Schmidt nichts von Banalität. Epigrammatisch-bissige Frechheit und echte Freiheit des Geistes sind bei diesem Autor grimmig verzwirnt. "Witzig war unsre 46er Welt: ’n Suppenteller kriegte man nicht zu kaufen, aber wenn man die Totenmaske der Inconnue de la Seine, 38 Mark 50. umdrehte, konnte man sie gut als solchen verwenden." So räsoniert sich der besitz- und heimatlose Einzelgänger von "Brand‘s Haide vor dem Währungsschnitt durch eine verkantete Realität. Damit der Leser folgen kann ins Labyrinth der Kämmerchen und Seelen, irgendwo zwichen Walsrode und Bomlitz in der südlichen Lüneburger Heide, gibt ihm der Schutzumschlag des aus der "rabiaten Kiste" bezogenen Bandes eine vom Autor gezeichnete kartographische Skizze an die Hand. "Was Euch langweilig ist: Schopenhauer, Wieland, das Campanerthal, Orpheus: ist mir selbstverständliches Glück; was Euch rasend interessiert: Swing, Film, Hemingway, Politik: stinkt mich an." So das Credo eines von der Wirrnis der Zeitläufte Wundgestoßenen, der, als ihn das Mädchen, das er liebt, verläßt, resigniert meint: "Man könnte was weniges verzweifeln aber in mir wars still wie in einem Schrank."