Von Ernst Mammon Ein deutscher Kaufmann fuhr nach Indien, kehrte nach Monaten zurück und schrieb diese Zeilen: Deutschlands Chancen in Indien sind groß ...

Ich habe das Glück gehabt, von einigen deutschen Firmen beauftragt zu werden, die wirtschaftliche Lage Indiens, den Stand der wissenschaftlichen Tätigkeit und die Entwicklung der Industrie zu studieren. Es war meine erste Reise nach Indien, und ich bin mit außerordentlicher Liebenswürdigkeit und Gastfreundlichkeit aufgenommen worden.

Das Reisen ist bequem; das ganze Land wird von einem verhältnismäßig engen Eisenbahnnetz überzogen. Obgleich die Züge meist überfüllt sind, findet man in der ersten oder zweiten Klasse im allgemeinen Platz. Es ist erstaunlich zu sehen, wie viele Inder reisen. Ich habe nicht feststellen können, was diese riesigen Menschenmengen bewegt, soviel unterwegs zu sein. Neben der Eisenbahn gibt es eine Anzahl Fluglinien, die alle großen Städte miteinander verbinden. So wird denn auch jegliche Post in Indien ohne Zuschlag an Porto über Fluglinien befördert. Trotz der vielen und gut angelegten Autostraßen, die es den Reisenden ermöglichen, mit dem Wagen im ganzen Lande herumzufahren, kommt man in abgelegenen Gegenden gelegentlich in die Verlegenheit, den Ochsenkarren zu benutzen. In den Städten findet man heute alle nur denkbaren Vehikel vor; neben den Automobilen, unter denen die amerikanischen Wagen dominieren, sieht man die zweirädrige Tonga, meist gezogen von einem Pferd, die Rikscha in der Ursprünge lichen Bauart, also von einem Läufer gezogen, und ihre modernen Abarten als Fahrrad- oder Motorradrikscha. Zweirädrige Lastkarren werden meist von Zebu-Ochsen, gelegentlich auch von Kamelen gezogen. Charakteristisch für das Straßenbild ist der Anblick von Kühen und Ziegen oder Schafen mitten im Gewühl der von Menschen übervölkerten Fahrdämme. Eine Kuh interessiert sich überhaupt nicht für die Gegebenheiten des Verkehrs, sondern trottet gemütlich durch das wildeste Getümmel der Großstadtstraßen. Sie weiß, daß alle schnellfahrenden Ungetüme einen weiten Bogen um sie machen oder bremsen: Das ist das über allem Leben stehende Gebot des Ahimsa, des Nichttötens.