Neu Delhi, im November

Die Beziehungen zwischen Indien und China haben vielfältige Wandlungen durchgemacht. Allmählich aber hat sich ein festes Verhältnis herausgebildet. Die indische Regierung hat sich mit gewissen Tatsachen abgefunden. Sie glaubt zunächst einmal, daß der Kommunismus in China zum Stillstand gekommen sei und formuliert nun entsprechend dieser Annahme ihre Politik. Die indischen Politiker sind der Meinung, daß es sich in China um eine nationale Revolution handelt, die tief im Volk verwurzelt ist und die zum erstenmal in der Geschichte dieser leidgewohnten Nation Einheit und Sicherheit an die Stelle eines ständigen Chaos gesetzt hat. Sie. ist ferner überzeugt, daß die Beziehungen zwischen dem neuen China und der Sowjetunion lediglich die zweier aufeinander angewiesener Nachbarländer mit gemeinsamen Interessen sind, und es darum falsch wäre, anzunehmen, daß China sich im sogenannten Sowjetlager befindet. Nehru steht auf dem Standpunkt, daß die Politik freundlicher Geduld China gegenüber sich am ehesten bezahlt machen wird.