"Die unterhaltendste Fläche auf der Erde für uns ist die des menschlichen Gesichts." Das hat Georg Christoph Lichtenberg gesagt. Und natürlich trifft sein Satz nicht nur für jedermann, sondern auch für unsere Bonner Politiker zu, deren Worte man im allgemeinen besser kennt als deren Gesichter, wenn auch noch nicht gut genug. Vielleicht ist daher unser Preisausschreiben geeignet, sogar denen Unterhaltung zu geben, die sich an der Lösung nicht beteiligen wollen.

Denjenigen Lesern aber, die sich an die Lösung machen, stehen nicht nur – wenn sie Glück haben – Preise bevor, sondern Probleme jener unterhaltsamen Psychologie, die Lichtenberg gemeint hat. Da es nämlich gilt, das jeweilige Kinder- oder Jugendbildnis zum Gegenwartsporträt der jeweiligen Prominenz zu finden, ergeben sich Vergleichsmöglichkeiten, ja sogar philosophische Perspektiven, die manchmal verblüffend sind. An sich schon haben Kinderbildnisse oft etwas Rührendes; wie erst, wenn man vergleichend sieht, daß die Figuren des öffentlichen Lebens, "von der Parteien Haß und Gunst verzerrt", alle sich Züge aus ihrer Kindheit und Jugend bewahrt haben! Manchmal ist es das Kindheitsbild, das dem Betrachter die ausgereiste Persönlichkeit nahebringt. Wie seltsam, daß die wohl anmutigsten Kindergesichter dieser unserer Sammlung zu den beiden Männern gehören, die es in den Ämtern und in der Verantwortung unserer Bundesrepublik am weitesten gebracht haben. ‚Seltsam‘ – man könnte es vielleicht auch tröstlich nennen.