Von Peter Loschew

Sie kamen auf der Reichsstraße 201. Auf der Bundesstraße 201 wollen sie wieder von dannen ziehen. Sie kamen, weil Rotarmisten sie von ihren Höfen vertrieben, ihre Äcker verwüstet und ihre Frauen geschändet hatten. Sie wollten wieder von dannen ziehen, weil sie ohne Arbeit, ohne Wohnung, ohne Besitz und ohne Hoffnung elendiglich zugrunde gehen müssen. Die Flüche linge von Süderbrarup wollen wieder trecken.

Während auf der Gründungsversammlung des "Bundes Vertriebener Deutscher" in Hannover der Bundestagsabgeordnete Linus Kather zum Ersten Vorsitzenden gewählt wurde, während Bundeskanzler Dr. Adenauer eben dort betonte, eine Wiedervereinigung Deutschlands würde die rechte Lösung der Flüchtlingsfrage bringen, während der Bundesminister für die Vertriebenen, Dr. Lukaschek, erklärte, man könne bei dem Vertriebenenproblem nur an den guten Willen der Länder appellieren – während all dieser hochherzigen Ansprachen mächtiger Politiker an der Leine, sitzt in einer Dachkammer der Holmer Straße 1 in Süderbrarup ein Flüchtling,einer von zehn Millionen, ohne Titel, ohne Heizung, ohne Existenz. Er kann die trostreichen Worte aus der niedersächsischen Hauptstadt nicht hören, weil er kein Radio hat, und doch setzen Tausende von Flüchtlingen schon heute größere Hoffnung auf ihn, als auf alle Minister und Abgeordnete unseres Staates zusammen. Denn dieser Flüchtling in der Dachkammer ist einer der zwei Führer und Väter des Selbsthilfe-Trecks.