Von W. Fredericia

In einer Ergänzung zu seinem Testament, die er am 4. Februar 1859 unterzeichnete, also eineinhalb Jahre vor seinem Tode, hat Schopenhauer der Frau Caroline Medon, gebornen Richter, 5000 Taler vermacht. Das war etwa ein Sechstel seines Vermögens, ein hoher Betrag für die damalige Zeit. Das Vermächtnis war um so erstaunlicher, als Schopenhauer der erklärte Weiberfeind unter den Philosophen war. "Das niedrig gewachsene; schmalschultrige, breithüftige und kurzbeinige Geschlecht das schöne nennen" – so hatte er geschrieben – "konnte nur der vom Geschlechtstrieb umnebelte männliche Intellekt: in diesem Triebe steckt seine ganze Schönheit ..." Und: "In unserem monogamischen Welttheile heißt heirathen seine Rechte halbieren und seine Pflichten verdoppeln." Nicht viel versöhnlicher war der Schlußsatz seiner berühmten Schrift "Über die Weiber": "Daß das Weib, seiner Natur nach, zum Gehorchen bestimmt sei, giebt sich daran zu erkennen, daß eine jede, welche in die ihr naturwidrige Lage gänzlicher Unabhängigkeit versetzt wird, alsbald sich irgendeinem Manne anschließt, von dem sie sich lenken und beherrschen läßt; weil sie eines Herrn bedarf. Ist sie jung, so ist es ein Liebhaber; ist sie alt, ein Beichtvater."