In Paris hat die OEEC beschlossen, Europas Stahlerzeugung in Zukunft um 25 v. H. auf jährlich etwa 62 Millionen Tonnen zu erhöhen. Unter normalen Umständen würde Deutschlands Anteil daran rund 19 Millionen Tonnen betragen, während heute die deutsche Produktion nur rund 13 Millionen Tonnen ausmacht.

In Watenstedt bei den Reichswerken, in Essen bei Krupp und in Duisburg bei Thyssen stehen noch einige Jahres-Millionen an Stahlkapazität verwitternd unter freiem Himmel; zeitfremde Denkmäler westlicher Demontagepolitik. Vor Monaten hatte daher Thyssen den Antrag gestellt, einen begrenzten Wiederaufbau seiner Anlage durchführen zu dürfen. In der vergangenen Woche nun hat das Militärische Sicherheitsamt in Koblenz diesen Antrag abgelehnt. Es beruft sich darauf, daß es nicht befugt sei, Möglichkeiten für eine Erhöhung der Stahlkapazität zu eröffnen, und daß der Thyssen-Antrag in das Gebiet der Dekartellisierung hineinreiche. Das Sicherheitsamt hat damit den Buchstaben seiner Gesetze Genüge getan. Aber es hat weder die wirtschaftlichen noch die politischen Realitäten berücksichtigt. Und auf sie kommt es an.