Rudolf Baumgardt: Die Rodendahls. Franz Schneekluth Verlag, Celle, 918 S., Leinen 19,80 DM.

Man sollte meinen, daß ein Quentchen "Buddenbrooks" und eine ordentliche Dosis "Forsyte Saga" mir eine aufgewärmte Speise ergeben könnten. Nichts dergleichen (obwohl gelegentlich die Duplizität ganz ungeniert hindurchschmeckt), denn Rudolf Baumgardt hat einen vorgefaßten Plan mit bewunderungswürdiger Folgerichtigkeit ausgearbeitet; was dem äußeren Volumen seines Romans eine nur anfangs erschreckende Ausdehnung geben mußte und der inneren Spannkraft überraschenderweise Flügel anheftete. Der Plan war, zu zeigen, wie das liberale Bürgertum der Bismarckzeit in der Sozialdemokratie zerflatterte und aus der mißglückten Synthese der Nationalsozialismus aufschoß und kläglich zerbrach. Das Ergebnis –: Ein Abziehbild von hundert Jahren Vergangenheit, sehr bunt, sehr belebt und trotz des Kitschees, das Abziehbilder immer an sich haben, sehr wahrhaftig und persönlich.