Von Edgar Salin

Von den Griechen an bis weit ins neunzehnte Jahrhundert galt die Überzeugung, daß die Politik eine hohe Kunst ist, die gelehrt und gelernt werden kann und muß, wofern nicht die Staaten zunächst in ihrer inneren Substanz und dann auch in ihrem äußeren Bestand Not leiden sollen. Ein heute vergessenes, ausgezeichnetes Buch wie Dahlmanns "Politik" vermag in deutscher Sprache noch am besten einen Eindruck davon zu vermitteln, welche hilfreiche Tradition, welche lebenswichtigen Werte verlorengingen, als auf dem Kontinent die Politik aus einer echten Kunst zu einer bloßen Technik wurde – eine Veränderung, welche dann in diesem Jahrhundert das Tor zur politischen Betätigung für Stümper und Hasardeure öffnete.