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Ausgabe Nr. 46/1951

DIE ZEIT

Unsere Tyrannen

Der Gefangene steht im Freien, blinzelt in das Licht und sieht sich hilflos die Welt an, die drohend erscheint und ihm Entscheidungen abfordert.

DIE WOCHE

In Panmunyon blieben die koreanischen Waffenstillstandsverhandlungen weiterhin ergebnislos. Die Kommunisten bezeichneten einen alliierten Vorschlag, die neutrale Zone bei der Feuereinstellung festzulegen, als Bruch der Tagesordnung.

Armee ohne Pathos

Armee ohne Pathos" heißt ein Buch, das dieser Tage im Köllen-Verlag, Bonn, erschienen ist. Der Verfasser, Adelbert Weinstein, half einst als junger Generalstabsoffizier eine deutsche Armee in Zweiten Weltkrieg führen und hilft heute, als junger Journalist, eine deutsche Tageszeitung redigieren.

Liebeszauberei

Esdreht sich hauptsächlich darum, ob Gillian "auch eine" ist. Die Katze Pyewacket läßt darauf schließen. Vor allem erscheint das aber bei der schrulligen Tante Queenie sehr wahrscheinlich, denn sie hat eine Vorliebe für allerlei Schabernack, foppt ihre Mitmenschen mit dem Telefon, dringt neugierig in fremde Wohnungen ein, liest anderer Leute Briefe und bewegt sich in einem so schreiend modernen Aufzug, daß man wirklich vermutet, es handele sich um die zeitgemäße Variante – der alten Hexe.

Notizen

Bei der 200-Jahr-Feier der Göttinger Akademie der Wissenschaften sprach Bundespräsident Heuss im Namen der Bundesrepublik, der Atomforscher Niels Bohr für die ausländischen, Professor Heinrich Ficker für die österreichischen Universitäten.

Dreimal Mitbestimmungsrecht

Die CDU-Abgeordneten Dr. Schröder und Säbel warnten kürzlich in einer Mitteilung an die Presse vor dem Versuch, unter Umgehung des Parlaments über die gesetzgeberischen Probleme des Mitbestimmungsrechtes zu verhandeln.

Der Tod als Fiktion

Wie bei so vielen Modernisierungen antiker Stoffe spielt auch in Ernst Wilhelm Eschmanns Schauspiel "Alkestis", das Gustav Rudolf Sellner im Landestheater in Darmstadt uraufführte, der Tod eine zentrale Rolle.

Der Brand

Hinter dem Bahndamm, der mit ölig dunstenden Schwellen und den blanken Geleisen leer in der Sonne ruht, steigt die Wiese an und ist an ihrem oberen Rande von etlichem Gesträuche und einem kleinen Föhrenbestand gesäumt.

Vom Mut zur Macht

Von den Griechen an bis weit ins neunzehnte Jahrhundert galt die Überzeugung, daß die Politik eine hohe Kunst ist, die gelehrt und gelernt werden kann und muß, wofern nicht die Staaten zunächst in ihrer inneren Substanz und dann auch in ihrem äußeren Bestand Not leiden sollen.

Stirbt der Sammler aus?

Man kennt das Gremium von Persönlichkeiten des internationalen Buch- und Kunstantiquariats, das sich bei allen großen Auktionen in München, Stuttgart oder Hamburg zusammenfindet, wo kürzlich bei Dr.

"Neorealismus" im Funk

Der Kamera bietet die Wirklichkeit Bild und Gesicht, dem Mikrophon aber Geräusch und Stimme. Dieser Satz klingt ebenso trivial, wie seine Anwendung schwierig scheint; der Funk jedenfalls hat bisher weder die Erfordernisse seiner reinen Akustik hinreichend studiert, noch ihre Möglichkeiten überzeugend genutzt.

Zwischen Byzanz und Rom

In Zagreb, gelegentlich des jugoslawischen Friedenskongresses, war eine Ausstellung zu sehen, in der die südslawische Kunst des Mittelalters hervorragend repräsentiert war.

Nicht nur Etikett

Kompromisse, von denen eigentlich keiner der Vertreter sich widersprechender Auffassungen über die Wirtschaftsordnung begeistert ist, sind die Folge einschlägiger Auseinandersetzungen in diesen Jahren.

Export-Optimismus

Der Chef der Bremer Borgward-Werke, Dr. Ing. e. h. Carl F. W. Borgward, bezeichnete nach Rückkehr von seiner ersten Südamerika-Informationsreise die Absatzchancen für deutsche Kraftfahrzeuge im Ausland als äußerst zukunftsreich.

Medizin der Stunde

Würde überall ebenso intensiv rationalisiert, wie seit Jahr und Tag in zahllosen Gremien gefordert wird – alles wäre vermutlich aufs beste bestellt.

Echte Reserven – kein Kohlenwunder

Jeder, der die Wirtschaftsseiten der Zeitungen liest, bemerkt, daß er sich in den ersten Spalten durch die oft eindringlichen Klagen über den unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch dieser oder jener Firma oder Branche wegen Kohlenmangels hindurcharbeiten muß, bis er dann in weiteren Spalten liest, daß die Produktionsindices weiter gestiegen sind, die Arbeitslosigkeit erneut nachließ, die Beschäftigung zunahm, die Lohnsummen stiegen usw.

Auch ohne Visum

Man sage nichts gegen die derzeitige Handhabung des deutschen Auslandreiseverkehrs. Wenn er auch noch nicht als Ideal bezeichnet werden kann, so haben sich doch, seit sich die Alliierten mit ihren Travel Boards nicht mehr um jeden einzelnen deutschen Auslandsreisenden persönlich kümmern, die Verhältnisse erheblich gebessert.

Erste Hypothekenbank-Bilanzen

Als im Verlauf der vergangenen beiden Jahre die Industrie begann, ihre Umstellungsbilanzen zu veröffentlichen – mit Schwerpunkt auf den ersten sechs Monaten des Jahres 1951 –, konnte der Eindruck entstehen, daß der radikale Währungschnitt des 20.

Neuerscheinungen für die Wirtschaft

Die Dollarlücke Europas – gleich nach dem Kriege das wichtigste Problem, heute immer noch oder schon wieder aktuell – wird in einer weiteren Veröffentlichung des Institutes für Weltwirtschaft an der Universität Kiel "Das Zahlungsbilanz-Problem der Vereinigten Staaten und Deutschlands Dollar-Ausfuhr" von Dr.

Die Halben fielen

Im Jahre 1943 war der Oberleutnant aus Wien noch ein Deutscher. So wie sich seine Nationalität inzwischen gewandelt hat, wird sich auch sein Seelenzustand geändert haben.

Jugend in ihren Briefen

Gegenüber der Erst-Edition (vor rund zehn Jahren) zeigt sich die Neuausgabe dieser mit Johann Christian Günther, Lessing, Herder und Goethe einsetzenden Brief-Anthologie beträchtlich erweitert.

Verse und Spiele

Die gesammelten Gedichte (1942–1951) des Erzählers, in dem bereits Josef Weinheber den wortmächtigen Dichter erkannte. Die Nähe der lyrischen Sprache zur Musik wird von Niebelschütz in weitgespannten Zyklen ausgemessen, die die dreisätzige Form des Konzerts ins Strophische übertragen.

Vernichtungskampf

Die vielen Versuche, mit wohldurchdachten Vorschriften die Verwilderung der Sprach- und Schreibgebräuche aufzuhalten, haben nur wenig ausrichten können.

Porträts und Panorama

Warum ist die englische Geschichte in den vergangenen Jahrhunderten glücklicher verlaufen als die deutsche? Reiners beantwortet diese Frage, indem er die führenden englischen Politiker der Zeit vom Abfall Nordamerikas bis zur Schwelle des ersten Weltkrieges darstellt, mit gründlichen biographischen Kenntnissen, aus der Fülle politischen Wissens, unter Verwendung von Reden, Tagebüchern, Briefen und Gesprächen.

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