Von Christian E. Lewalter

"Wir leben nicht, um zu denken, sondern umgekehrt: wir denken, um am Leben zu bleiben." Ortega

Das technische Zeitalter, das auch das Zeitalter der zerreißenden christlichen Horizonte war, hat die Bereiche des Lebens spezialisiert: zunächst die Technik selbst, dann das Geschäft, die Politik, die Liebe, die Künste, den Sport – und mit all diesem, allmählich und unmerklich, das Denken. Nicht nur, daß die Wissenschaften, jede für sich, ein Geheimbesitz der Eingeweihten, der "Zünftigen" wurden und daß die Religion, einst das öffentlichste und Gemeinsamste, sich in die Sphäre des "Privaten" verbannt sah, wo sie denn nicht mehr gedacht, sondern nur "gefühlt" werden sollte – die ganze dem Menschen, und nur ihm, eigentümliche Betätigung, die man Denken nennt, geriet in den Strudel der Aufsplitterung.