Seit Jahrhunderten sind Hotelwirtschaft und Gastronomie Schrittmacher des zivilisatorischen Fortschrittes und des Lebensstandards der Massen gewesen. Baustil und Wohnkultur, Service und Eleganz deutscher Großhotels und internationaler Gaststätten haben nicht selten Bild und Lebensart deutscher Städte gestaltet. Vom unternehmerischen Schwung und internationalen Erfahrungsreichtum vieler Hoteliers und Gastronomen ist immer wieder der Fortschritt in die mittelstädtische Bevölkerung getragen worden.

Bundeswirtschaftsminister Erhard verlangt vom Hotel- und Gaststättengewerbe, daß es das Devisenaufkommen im nächsten Jahr noch einmal verdoppeln möge. Niemand verwirklicht eine solche Aufforderung lieber, als das Gastgewerbe selbst. Aber manche psychologischen und gesetzlichen Hemmungen stehen noch dagegen. Eine Verdoppelung der Deviseneinnahme bedingt weitere Vorleistungen des Gewerbes sowohl durch intensive Modernisierung der geretteten Häuser, als auch durch Neubautätigkeit, besonders im Hotelgewerbe. Eine lange Reihe erstrangiger Hotels ist schon wiedererstanden, und zwar trotz Ungunst der Zeit, trotz hoher Kosten und trotz erheblicher Kapitalschwierigkeiten (siehe auch "Die Zeit" vom 28. Juni, in der wir bereits einleitend über die Hotelwirtschaft berichteten). Aber der Ausbau ist noch nicht zu Ende. Es fehlen vor allem in Klein- und Mittelstädten zahlreiche mittlere und kleine Häuser und in den Großstädten billige Passantenhotels. Zum größten Teil ist der bisherige Wiederaufbau mit Fremdmitteln finanziert worden; davon stammten für 120 Objekte rund 34,2 Mill. DM aus Marshall-Plan- und Steg-Mitteln.