Voilà un homme!" sagte Napoleon in Erfurt, als er Goethe kennengelernt hatte. Was meinte er mit "komme"? Ein Mensch? Ein Mann? Die jüngste Napoleonforschung hat es herausgefunden: der Kaiser benutzte bei solchen Gelegenheiten gern korsische Kraftausdrücke, und im Korsischen ist "un komme" soviel wie im Bayrischen "ein Pfundskerl".

Kerle brauchen nicht männlichen Geschlechts zu sein. Auch von einer Frau und einem Mädchen heißt es, sie sei ein "prächtiger Kerl", und darin deutet sich, ganz salopp, ein Waffenstillstand im Kampf der Geschlechter an. Wir Männer von heute konzedieren den Frauen nicht nur das, was sie fordern: Anerkennung der gleichen Lebenschancen, sondern wir nehmen sie in den engsten Kreis auf, da wo wir unter uns sind, als "Kerle". Das ist die letzte Form der Ritterlichkeit: die Frauen nicht mehr fühlen zu lassen, daß sie "das andere Geschlecht" sind.