Der Aufbau der diplomatischen und konsularischen Vertretungen der Bundesrepublik Deutschland ist jetzt soweit vollzogen, daß bisher acht Botschaften, drei Gesandtschaften, vierzehn Generalkonsulate, zwei Konsulate und eine "Politische Vertretung" vorhanden sind. Gegenüber der Zeit vor dem Kriege (und selbst während des Krieges) ist diese Zahl gering. Der Fortschritt aber ist unverkennbar, wenn man die Verhältnisse etwa vor einem Jahr berücksichtigt, als noch kein Auswärtiges Amt bestand. Der Charakter der diplomatischen Vertretungen hat sich freilich in der Art und im Rang der Geschäftsträger wie im Umfang der Aufgaben sehr geändert. Die Bundesrepublik konnte bisher in Frankreich, Großbritannien und den USA trotz der Beendigung des Kriegszustandes keine Botschafter akkreditieren lassen, da das Besatzungsstatut noch in Kraft ist und auf Grund dieses Statuts die drei Staaten in Deutschland keine diplomatischen Vertretungen durch eigene Botschafter besitzen. Des weiteren sind von der Bundesrepublik zur Sowjetunion überhaupt noch keine offiziellen diplomatischen Beziehungen aufgenommen worden. Allerdings ist durch die Errichtung von Generalkonsulaten eine Vertretung der Bundesrepublik bei den drei Westmächten gewährleistet, besonders in den USA, wo drei Generalkonsulate und ein Konsulat bestehen. Ferner hat sich insofern ein Wandel vollzogen, als die Bundesrepublik heute in Ländern Botschaften unterhält, in denen das Deutsche Reich früher nur durch Gesandte vertreten war, z. B. in Belgien, Dänemark und den Niederlanden. In der Personalpolitik sind im Vergleich zu früheren Gepflogenheiten ebenfalls Änderungen eingetreten, als wichtige Posten nicht Berufsdiplomaten, sondern durch führende Parteipolitiker besetzt sind; es seien hier Dr. Clemens v. Brentano, Dr. Fritz Oellers und Dr. h. c. Hans Schlange-Schöningen genannt.