Von Claus Jacobi

In Taxis und Polizeiautos wurden Reservearbeiter in Hamburgs Hafen gefahren. Vor dem Bremer Rathaus kam es zu Demonstrationen, bei denen es Verletzungen und Verhaftungen hagelte. Und auf den Kaianlagen von New York Stapel-, ten sich für Millionen Dollar Importgüter und Tausende von Postsäcken. Telegramme flogen über den Atlantik. Schiffe wurden umdirigiert, Streiks sind aufgeflammt in den Häfen des Westens, dem Sammelbecken der Internationale. Wilde Streiks! Politische Streiks!

Schon schien in Deutschland die gefährliche Streikwelle vermieden. Am 20. Oktober gab die Gewerkschaft "öffentliche Dienste, Transport und Verkehr" bekannt, daß sich die 30 000 Hafenarbeiter der deutschen Ost- und Nordseehäfen in einer Urabstimmung einem Schiedsspruch unterworfen hätten, der eine Erhöhung ihres Stundenlohnes um 9 Pfennig vorsah; ursprünglich hatten die Arbeiter 23 Pfennig gefordert, ursprünglich wollten die Arbeitgeber 2 Pfennig zahlen. Da aber erblickte des Kremls Fünfte Kolonne in Deutschland seine Chance. Die klaffende Lücke zwischen, ursprünglichen Forderungen und Bewilligungen einerseits und dem Schiedsspruch andererseits sowie die unglückliche Undurchsichtigkeit der Urabstimmung – dies waren die kommunistischen Parolen, mit denen zum Streik aufgerufen wurde. In Amerika lagen die Dinge nicht viel anders. Auch dort hatte die Gewerkschaft eine Lohnerhöhung um 10 cents erreicht. Auch dort waren die Arbeiter nicht zufrieden; sie forderten 25 cents. Auch dort wurde – allerdings schon acht Tage früher – mit einem illegalen Streik begonnen.