Drei neu erschienene Bücher spiegeln uns die bürgerliche Welt der letzten Generationen wider. Die kritisch-sachliche von jedem Pathos freie Darstellung Wilhelm Mommsens (Wilhelm Mommsen, Größe und Versagen des deutschen Bürgertums. Ein Beitrag zur Geschichte der Jahre 1848/49. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart) zeichnet den wirklichen Ablauf und die wahren Probleme der Revolutionsepoche vor hundert Jahren. Es erweist sich dabei, daß die unbeirrte Feststellung exakter historischer Tatsachen noch immer die hemmungslose Verschiebung aller Perspektiven der geschichtlichen Betrachtung, wie sie nach großen Umwälzungen stattzufinden pflegen, hindern kann. Als bedeutsamste Tatsachen treten in diesem Sinne hervor: die enge Verflechtung der deutschen Revolutionsereignisse mit den allgemeinen europäischen Vorgängen sowie die unmittelbare und entscheidende Einwirkung der auswärtigen Verhältnisse durch den Druck der Großmächte auf Deutschland. Infolgedessen war für das Scheitern der demokratischen Bemühungen in Mitteleuropa weniger die deutsche bürgerliche Mentalität und ihr ererbtes Obrigkeitsdenken ausschlaggebend als der außenpolitische Zwang, der den Deutschen einen Krieg in drohende Sicht brachte. Denn der Gegenschlag