Überall dort, wo Chinesen, Japaner, Koreaner leben, von Indonesien bis Wladiwostok, wird in diesem Jahr der 2500. Geburtstag des (Konfuzius in Tempeln und Gedenkstätten gefeiert – zu einem Zeitpunkt, in dem Mao Tse Tungs kommunistische Lehre sich anschickt, einen umfassenden Angriff gegen die jahrtausendealten Grundbegriffe chinesischer Geisteshaltung zu führen.

Wir westlichen Menschen kennen den Meister Kung eigentlich nur als einen der großen Weisen der Weltgeschichte, der an den intrigengeladenen Höfen der chinesischen Feudalherren einen formbewußten, wahrhaftigen und mutigen Menschentyp predigte, der seinen eigenen tiefen und zugleich humorvollen und liebenswerten Geist in Aphorismen und Sprüchen durch seine 3000 Schüler verbreiten ließ. Aber die unfaßliche, über Jahrtausende reichende Wirkung seiner rationalen, nur die menschlichen Beziehungen behandelnden Lehren liegt nicht nur in der Weisheit einer Handvoll Aphorismen. Sie beruht darauf, daß der Lehrsatz des Konfuzius, nicht ein göttliches Idealbild sei der Maßstab des Menschen, sondern der Mensch selbst, der typisch chinesischen Geisteshaltung in einzigartiger – Weise entspricht und ihre höchste Vollendung im Sinne humanistischer Universalität verkündet.