Recht und Politik säuberlich voneinander zu trennen, ist schon vielen Leuten schwergefallen, um so erfreulicher ist es, daß die Aufgabe, politische Rechtsprechung zu üben, offenbar auch manchen Leuten schwerfällt. Dies lehrt uns deutlich der Fall Schacht. Hjalmar Schacht, 1946 in Nürnberg freigesprochen, war anschließend dem föderalen Rechtseifer des neugegründeten württembergisch-badischen Staatsministerium zum Opfer gefallen. Er wurde auf der Durchreise in Stuttgart verhaftet und in der Verhandlung vom 13. Mai 1947 von der Spruchkammer Ludwigsburg als Hauptschuldiger eingestuft und zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt. Am 1. September 1948 fand die Berufungsverhandlung statt: Schacht wurde salviert und als Entlasteter freigesprochen. Sofort aber griff das Befreiungsministerium ein, hob das Urteil wieder auf, und stellte im Termin vom 19. Februar 1949 fest, daß Schacht doch Hauptschuldiger sei. Neue Verhandlung am 13. Juni 1949: die Spruchkammer erklärte sich für nicht zuständig und hob das erste Urteil auf, so daß nun wieder alles so war, als sei nichts gewesen. Das Befreiungsministerium, nicht faul, erklärte jedoch am 8. August 1949 diese Kassation wiederum für unrechtmäßig, so daß Schacht, eben noch Märtyrer, nun doch wieder in die Kategorie der Hauptschuldigen rutschte.