Im der von Etatsorgen geschwängerten Frage: "Was biete ich meinem Publikum?" hat die Hamburger Staatsoper den Trick vom Ei des Kolumbus wiederholt; Abends gepflegte, gängige, opulente Opernkost, aber Sonntag vormittags Aufführungen, die sich der Moderne annehmen, Angesichts der zweifachen Bedeutung eines Kulturinstituts – nämlich das Überkommene zu pflegen (das ja zumeist das allgemein Willkommene ist) und zugleich der Kunst der Gegenwart zu dienen (so spröde sie immerhin den meisten scheinen mag) –, angesichts dieser doppelten Aufgabe ist diese Hamburger Praxis deshalb eine Kolumbus-Ei-Lösung, weil sie so einfach ist. Bewährt sich das Experiment am Sonntagvormittag, hat es überdies Aussicht, die große Zahl der Opernfreunde dann vielleicht auch an den Abenden der Woche zu erfreuen. Diesmal barg das Ei eine besondere Delikatesse: die "Spanische Stunde" von Maurice Ravel.