Es war ein Stück deutscher Politik, das da in Rengsdorf am Rhein abrollte: der erste „Alldeutsche Kongreß“ des Nauheimer Kreises, der – einberufen von Professor Noack und verboten von der Landesregierung Rheinland-Pfalz – im Tarnhemd des Kurgastes unter den Augen der Polizei die „Neutralität“ Deutschlands diskutierte. Dabei mußte Professor Noack gleich zu Beginn mit ansehen, wie sich sein prominentester östlicher Gast, der Handelsminister der Sowjetzonen-Republik, Georg Handtke, wieder in seinen pastellgrünen Horch setzte und gen Osten fuhr weil er, wie er sagte, gewichtige Gesprächspartner vermisse. Aber nicht nur für Noack – für alle Beteiligten war der Reinfall groß: für die geschäftstüchtigen Rengsdorfer, die umsonst Gänse und Ochsen en gros geschlachtet hatten, aber auch für die Landesregierung, die ihr Verbot mit der „Gefahr einer Unterminierung der Bundesrepublik“ begründet hatte und nun von Bundesregierung und Hoher Kommission hören mußte, daß sie damit nicht gerade den Stein der Weisen gefunden habe. In der Tat: Nichts war weniger am Platze als das Verbot. Der „Nauheimer Kreis“ soll ruhig so viel Kongresse abhalten, wie er will. Die Torheit seiner offensichtlich kommunistisch inspirierten Ideen schadet gewiß niemandem, Ihrem Initiator, Professor Noack, gegenüber ist allerdings auf anderem Gebiet solche Nachsicht nicht am Platze. Denn mag auch der von der Norwegischen Militärmission in Berlin erhobene Vorwurf, Noack habe Quisling in Verbindung mit Hitler gebracht, nicht zutreffen –: seine engen Beziehungen zu dem anderen norwegischen Faschistenführer, Victor Mogens von der „Vaterländischen Liga“, wird Noack wohl nicht so entrüstet dementieren. Und eine solche Figur, ebenso eitel wie vorbelastet und geeignet, Deutschlands Ansehen im Ausland zu diskreditieren, lehrt heute als ordentlicher Professor für neuere Geschichte an einer deutschen Hochschule! Wie stellen sich Rektor und Senat der Universität Würzburg dazu? C. J.