R. K. N., Wien, Mitte November Seit Wochen war in Österreich die Schilling-Abwertung das Hauptgesprächsthema. Aber auch das Ausland verfolgte mit Aufmerksamkeit die Entwicklungen, ist es doch eine Abwertung, deren Vorbereitung ohne Beispiel in der Finanzgeschichte ist. Denn nicht nur, daß man fast zwei Monate gebraucht hat, bis die verantwortlichen Stellen sich zu einer Operation entschlossen, deren Unausweichlichkeit nach der allgemeinen Abwertungswelle vom September jedermann klar war, sie haben auch durch eine Serie von halben Erklärungen und Dementis, Widerruf des Widerrufs und Indiskretionen erhebliche Unruhe in die Wirtschaft getragen. Das österreichische Preisgefüge und die Warenversorgung waren daher, in den letzten Wochen in einen Zustand geraten, der an die chaotischen Verhältnisse vor den verschiedenen Währungsreformen der letzten Jahre nur darum nicht heranreichte, weil die Geldknappheit einer Kaufpanik keine ähnlich breite monetäre Grundlage gegeben hat.