Von Karl N. Nicolaus

Der Bürgermeister von Iffezheim hat, einer Meldung der Deutschen Presseagentur zufolge, für den Bereich seiner bei Baden-Baden gelegenen Ortschaft Samba und Rumba verboten.

Die Beziehungen der Obrigkeiten zu Terpsichore, der Göttin des Tanzes, sind seltsamer Art. Es herrscht – abstrakt gesprochen – offensichtlich eine Art Haßliebe. Das amusische Element, das der Behörde als solcher innewohnt, bekämpft entweder die Verführung oder erliegt – wenn nicht dem Tanz, dann wenigstens den Tänzerinnen. So stößt der forschende Chronist beispielsweise in antiker Zeit auf die thessalische Tänzerin Philinna, die dem König Philipp von Mazedonien, dem Vater Alexanders des Großen, den Aridäus gebar. Und jener Sulla, der Rom beherrschte, mußte es sich sogar gefallen lassen, daß ihm eine Tänzerin namens Nikopolis ihr Vermögen vermachte. Vom sechzehnten Jahrhundert an wimmelt es dann in den Chroniken von Tänzerinnen, die sich der Gunst von Kaisern, Königen, Herzögen und Fürsten bemächtigten. Es führt eine gerade Linie von jener Philinna des mazedonischen Philipp bis zu Lola Montez, die in neuerer Zeit Königinnen auftanzte. Die Macht ist einzelnen Tänzerinnen hold. Es ist dies in den meisten Fällen kein Nachteil für die Tänzerinnen und auch kein Nachteil für die Obrigkeit. Was nun aber soll man von dem Bürgermeister von Iffezheim halten, der soeben den Tänzern verbot, Rumba und Samba zu tanzen? Der Mann hält nichts davon. Das ist sein gutes Recht. Aber wo kämen wir schließlich hin, wenn jeder alles verbieten lassen wollte, wovon er nichts hält.