Von unserem römischen Korrespondenten F. G. Rom, im November

Die italienische Krise begann, als der stellvertretendeMinisterpräsident Saragat, Industrieminister Lombardo, OEEC-Minister Tremelloni und drei sozialdemokratische Unterstaatssekretäre ihre Posten zur Verfügung stellten. Sie ist eine Krise des italienischen Sozialismus. Scissione heißt das Wort, das dem italienischen Zeitungsleser seinen morgendlichen „caffè espresso“ versüßt: womit die Spaltungen gemeint sind, die seit mehr als zwei Jahren die Republikaner, Liberalen und Sozialisten plagen und sie von einer „internen Krise“ in die andere: treiben.Die italienischen Sozialisten, haben sich dabei als die Weltmeister der politischen Spaltung erwiesen. Nicht zu Unrecht hat man die Krise des italienischen Sozialismus als permanent bezeichnet: es sind nunmehr vierzig Jahre, daß die offizielle sozialistische Partei Italiens fast ununterbrochen einmal den rechten und einmal den linken Flügel verliert. Zwischen 1910 und 1922 spalteten sich die Reformisten, die Syndikalisten, die Interventisten – das sind jene nationalen Sozialisten, die in direkter Linie den Faschismus gebaren –, die Kommunisten und die Unitarier ab. Während der faschistischen Epoche, die den italienischen Sozialismus ins Exil zwang, versuchte man eine Wiedervereinigung zwischen den Maximalisten, die heute von Nenni geführt werden, und den Unitariern, den Vätern der heutigen Sozialdemokraten Saragats; kaum aber war die Partei ans Licht der Legalität zurückgekehrt, da begann der innere Zwist von neuem. Der Einheitszement des antifaschistisehen Partisanenkrieges und der Kampf gegen die Monarchie, der die Sozialisten in den Juliwahlen 1946 zu der vielversprechendsten Partei der italienischen Zukunft erhob, zerbröckelte wenige Monate später. Seitdem haben Spaltungen und Einigungsversuche einander gejagt: aber wie jede Spaltung „im Namen der Einigung aller sozialistischen Kräfte“ vorgenommen wurde, so wurde aus jeder „Einigung“ eine neue Spaltung geboren.