Das Uteil im Blohm & Voß-Prozeß ist gesprechen. Ein gewiß maßvolles Urteil – maßvoll jedenfalls insofern, als die Durchführung der verhängten Strafen (fünf bis zwölf Monate Gefängnis) bis zur Entscheidung über die eingelegte Berufung ausgesetzt wurde. Eine durchaus ungewöhnliche Bestimmung, die der außergewöhnlichen Situation Rechnung zu tragen versucht. Wie ungewöhnlich dieser Prozeß ist, wird nicht nur dem deutlich, der die Akten studiert. Auch der flüchtige Besucher war betroffen von der seltsamen Atmosphäre des Gerichtssaales, dessen Zuschauerreihen überwiegend mit Angestellten, Arbeitern und alten Handwerkern der Firma Blohm & Voß besetzt waren, die mit angestrengter Aufmerksamkeit den unbegreiflichen Vorgängen zu folgen versuchten, und sich alle wie ein Mann von den Sitzen erhoben, als ihr Chef aufstand, um seinen Urteilsspruch entgegenzunehmen. Hier ging es nicht um kriminelle Sensationen, sondern letzten Endes um den Konflikt, in den jeder Demontagebefehl die Eigentümer, Betriebsleiter und Arbeiter der betroffenen Firma hineindrängt.