Gw., London, Anfang November

Falls Englands Arbeiter für begrenzte Frist auf Lohnforderungen verzichten, in welcher Einheit soll diese „Frist“ bemessen werden, in Jahren – oder in den Gold- und Dollarreserven, die das nationale Polster für internationale Wirtschaftsstürme bilden? Das ist nur eine der verzwickten Fragen, die sich die britische Gewerkschaftsführung vorlegen muß, um ihre Gefolgschaft vom nationalen Interesse her richtig zu beraten, ohne die eigenen Anhänger in einer Vor-Wahlzeit vor den Kopf zu stoßen.

Wäre wenigstens die Labour-Regierung mit gutem Beispiel vorangegangen und hätte die Krise in den ihr gebührenden düsteren Farben gemalt! Statt dessen hört man aus britischen Gewerkschaftskreisen sehr bewegte Klagen darüber, daß die Regierung die Krise ,,viel zu leicht nehme und durch ihre ängstlichen Beruhigungsappelle den Ernst verschleiere und die Opferwilligkeit der Arbeiterschaft lähme. Ohne Aufklärung kann man kein Krisenbewußtsein erwarten: Es ist für einen Arbeiter, der täglich seine Pflicht tut, der sich zudem in der Sicherheit der Vollbeschäftigung und der Sozial Versorgung wiegen kann, nicht leicht, eine Dollar-Krise zu begreifen. Anderseits muß ihm alles als verdächtig erscheinen, was an seine in jahrzehntelangen Kämpfen errungenen Rechte zu rühren droht – sei es auch nur für eine begrenzte Zeit- oder Dollarfrist.