Wir sind nicht reich, wir sind arm. Vielleicht ist es deshalb, daß wir Menschen in einem verarmten Lande Glanz und Wärme lieben. Von nicht wohlwollenden ausländischen Zeitungen ist uns zwar in letzter Zeit mehrfach der Vorwurf gemacht worden, wir entfalteten schon wieder des Glanzes viel zuviel, mehr als uns zukäme. Wir meinen, wir sind bescheiden genug. Luxus hat keine Bedeutung mehr als Symbol des Reichtums und der Macht. Aber vielleicht kann man Luxus liebenswürdig gelten lassen als Ausdruck von Kultur.

In diesen Tagen sind in Göttingen unter der Regie von Wolfgang Liebeneiner die Dreharbeiten zu einem Film begonnen worden, in dem die Hauptdarstellerin Hilde Krahl zu den Kleidermodellen des Hamburger Modesalons Bibernell echten Schmuck aus der Werkstatt des Hamburger Juweliers Wilm tragen wird. Man sollte dies so nehmen, wie es gemeint ist: als eine ästhetische Sache. In Paris wußte man schon immer, daß die Art und Weise, wie man Schmuck und Kleid in Form, Farbe und in der Qualität des Materials aufeinander abstimmt, vor allem eine Frage des Geschmacks ist. Denn Frauen, die ihren eigenen Typ kennen, werden es auch mit sparsamen Mitteln verstehen, ihre persönliche Note zu finden und zu unterstreichen. Entscheidend ist ja nicht die Kostbarkeit des Stoffes und der Steine, entscheidend ist die Harmonie. Es ist dabei immer noch ein Rätsel, ob die verspielte Mode von heute avantgardistisch einen Stil prägt. Auffallend aber ist, daß auch der moderne Schmuck die Einfachheit, ja Kargheit der Linien verlor. Zu dem sehr weiblichen Kleiderstil gesellt sich wieder die zarte schmeichelnde Perle, und die Form der Ringe, der Armbänder und Kolliers ist komplizierter, phantasievoller geworden.