In einer Rede vor katholischen Rechtsanwälten hat Papst Pius XII. zu dem heiklen Problem der Verantwortlichkeit des Richters, bei der Anwendung ungerechter Gesetze Stellung genommen. Nach den vorliegenden Berichten hat der Papst gesagt, der katholische Richter könne nicht einfach die Verantwortung für seine Urteile mit dem Hinweis auf die alleinige Verantwortlichkeit des Gesetzgebers ablehnen; zwar trage der Gesetzgeber die größere Verantwortung, doch Falle ein Teil davon auch dem Richter zu. Kein Richter dürfe ein ungerechtes Gesetz billigen und anerkennen. Andererseits könne der Richter, da nicht jede Anwendung eines Gesetzes die Billigung seines Inhalts einschließe, auch ungerechte Gesetze dann anwenden, wenn das Urteil dem Betroffenen zugemutet werden kann, weil er vielleicht dadurch einem weit größeren Übel entgehe oder ein Gut von weit größerer Wichtigkeit geschützt werde.