Gauleiter Erich Koch, Reichskommissar für die Ukraine, Oberpräsident und Reichsverteidigungskommissar von Ostpreußen, einst einer der großen politischen Schergen des Dritter. Reiches und zeitweise neben Hitler der wichtigste Mann im „Politbüro“ der Nazis, stand dieser Tage vor dem Auslieferungsgericht in Hamburg. Polen und Sowjetrußland wollen ihn zur Rechenschaft ziehen für die zahllosen Verbrechen, die in seinem Herrschaftsbereich begangen worden sind. Aber getreu dem bewährten Führerprinzip Hitlers, bei welchem dieser selbst für alle Erfolge und stets ändert Leute für etwaige Fehlschlage verantwortlich waren, hat Koch nach seinen eigenen Aussagen: von nichts Bösem gewußt. Die Verordnung über die Errichtung von Standgerichten in Polen, die von ihm unterschrieben ist, sei Sache der SS und der Polizei gewesen, die Zwangsevakuierungen habe Sauckel veranlaßt und für alles übrige sei Rosenberg verantwortlich. Von Massenhinrichtungen und Judenerschießungen habe er nie etwas erfahren. – Aber schließlich ging es dabei ja auch nur um „Menschenleben“, wenn es sich um Hasenjagden gehandelt hätte, die unbefugterweise in seinem Revier stattfanden, so wäre der ungekrönte König des Ostens zweifellos eingeschritten.