Ein Londoner Freund, der in diesem Sommer wieder einmal, zu seinem nun schon dritten Besuch in der Nachkriegszeit, zu uns herübergekommen war, fand die westdeutschen Großstädte doch sehr verändert. Verglichen mit seiner neuen Heimat, so meinte er, verglichen auch mit dem, wie es früher hier war, gehe es bei uns reichlich laut und bunt zu. Das gelte für den nicht übermäßig dichten, aber rücksichtslos und mit großem Lärm betriebenen Autoverkehr, für die Reklame, für die Aufmachung mancher Läden und Gaststätten mit "viel zu viel Schnapsflaschen mit viel zu bunten Etiketts", für den protzigen Aufwand, den manche Leute, Einheimische und Fremde, öffentlich mit Essen, Trinken und Rauchen treiben – aber auch für die hastige Art, mit der überall aufgebaut, renoviert, umgebaut werde. Das ganze Getriebe, ein wenig zu schrill im Ton, zu grell in der Farbe, zu knallig in der Aufmachung und au fand nicht ganz so solide fundiert, wie man’s sich wünschte, erinnere an das fieberhaft-rauschartig gesteigerte Leben in einer Goldgräberstadt, an die verzauberte Atmosphäre von Klondyke etwa ...